Kleve (14.2.2016). Vor über 80 Jahren endete die Geschichte der Freimaurerei in Kleve: Da wurde die Freimaurer-Loge der Schwanenstadt auf der Druck der Nazis geschlossen. Jetzt wollen 20 Freimaurer aus Kleve und Umgebung eine neue Loge aus der Taufe heben, bzw. eine alte reaktivieren – nämlich die 1744 gegründete Loge „Zu den drei ehernen Säulen“. Die Freimaurer suchen jetzt Menschen aus Kleve und Umgebung, die sich der Loge anschließen wollen – allerdings nur Männer.

Die Freimaurer umweht immer ein Hauch von Geheimnis. Und für Verschwörungstheoretiker bilden sie entweder eine heimliche Weltregierung oder eine geheime Vereinigung, die genau danach greift. Dabei sind die Freimaurer-Logen eigentlich nichts anderes als Vereine, in denen sich die Mitglieder treffen, um miteinander zu reden. „Unser Ziel ist es, den Brüdern die Möglichkeit zu bieten, in der Gemeinschaft an sich selbst zu arbeiten. Wir glauben, dass die Gesellschaft profitiert, wenn jeder für sich ein Stückchen besser wird“, sagt Anton Klop, der Vorsitzende der Loge in Gründung, der hier aber „Meister vom Stuhl“ genannt wird. Man muss sich einen Logenabend eher wie einen philosophischen Austausch vorstellen – allerdings ohne Streit. „Wir versuchen nicht, den anderen mit Argumenten von der eigenen Position zu überzeugen“, erklärt Anton Klop. „Dann besteht die Gefahr, dass man jemanden geschickt manipuliert oder ihn durch geschickte Redekunst zum Einlenken bringt. Wir wollen nur einen Raum bieten, in dem unsere Brüder über sich selbst reflektieren.“ Dafür wird eine ganz eigene Gesprächskultur gepflegt. Der sogenannte Redner stellt ein Thema vor, über das dann geredet wird. Allerdings eben nicht in einem Austausch von Meinungen, sondern in Vergleichen. Durch die Vergleiche sollen die Mitglieder befähigt werden, Schlüsse für sich selbst zu ziehen. „Wir schreiben kein Ergebnis, keine Meinung vor“, sagt Rogier Crijns, Redner der Klever Loge.
Die Freimaurer pflegen wie jeder Verein gewisse Rituale. Und die sind für Außenstehende einigermaßen befremdlich und mysteriös. „Aber das gehört für uns halt dazu“, sagt Anton Klop. „Das sind jahrhundertealte Traditionen, die Freimaurer auf der ganzen Welt pflegen.“ Die Verschwiegenheit war früher nötig – da wurden Freimaurer noch verfolgt. Heute ist das anders, aber die Verschwiegenheit ist eine Art Vereinsstatut geblieben. „Was ein Bruder einem anderen Bruder anvertraut, bleibt geheim“, erklärt Rogier Crijns.
Geheim bleibt auch der Versammlungsort, den sie Tempel nennen, und die Daten der Treffen. Wer bei den Klever Freimaurern mitmachen möchte, kann sie unter der E-Mail-Adresse kontakt@freimaurer-kleve.de kontaktieren. Den Namen des „Sekretärs“ darf der Kurier nicht nennen. Bei aller Offenheit bleibt also immer noch genug Mysterium übrig. Und damit auch wieder Raum für wilde Verschwörungstheorien…

Olaf Plotke (Text & Foto)
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